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Wenn Rücksicht fehlt: Ein Schwan, eine Angelschnur und ein Einsatz am Weihnachtsfeiertag vom 27.12.2025

Bilder

Beschreibung

Wer sich schon immer gefragt hat, was man im Tierschutz an einem Feiertag so macht, hier ein kleiner Einblick.

Es ist der zweite Weihnachtsfeiertag 2025. Während viele Menschen Zeit mit ihren Familien verbringen, erreicht uns der Anruf einer besorgten Bürgerin. Auf der Gemarkung Breisach schwimmt ein Jungschwan im Seitenkanal. Um seinen Hals hat sich eine Angelschnur mitsamt Köder gelegt.

Ein Anblick, der sofort klar macht: Dieses Tier ist in akuter Not.

Schwäne sind Wildtiere. Und ja, man hört oft, man dürfe da „eigentlich nichts machen“. Doch wenn ein Tier offensichtlich leidet, wenn Verletzungen drohen oder bereits entstanden sind, ist Hilfe nicht nur erlaubt, sie ist geboten. Wegsehen wäre falsch gewesen.

Was auf den Bildern kaum zu erkennen ist, zeigt sich in der Realität umso deutlicher: Die Schnur hat sich bereits tief in den Hals des Jungschwans eingeschnitten. Mit jeder Bewegung zieht sie sich weiter zu. Solche Verletzungen enden nicht harmlos. Sie bedeuten Schmerzen, Entzündungen, Atemnot und am Ende einen langsamen, qualvollen Tod.

Wir versuchten zunächst, den Schwan an Land zu locken. Vergeblich. Im Wasser fühlte er sich sicherer, hielt Abstand, wich aus. Also blieb nur eine letzte Möglichkeit. Bei minus einem Grad die Kleidung ausziehen und versuchen, ihn im Seitenkanal einzufangen. Ein Schritt, den man nicht leichtfertig geht, aber in diesem Moment gab es keine Alternative.

Auch dieser Versuch scheiterte.

Selbst am heutigen Tag konnten wir den Schwan nicht sichern. Die Sorge bleibt. Die quälende Ungewissheit, ob und wie lange dieses Tier noch durchhält.

Und all das aus einem einzigen Grund: weil grundlegende Regeln beim Angeln missachtet wurden.

Ein Schwan auf einem Gewässer ist nicht zu übersehen. Solche Verletzungen entstehen nicht einfach so. Sie entstehen, wenn Angelschnüre unbeaufsichtigt bleiben oder bewusst ignoriert wird, dass Wasservögel auf Köder zuschwimmen. Wenn Bequemlichkeit oder Gleichgültigkeit schwerer wiegen als Verantwortung.

Angeln ist erlaubt. Aber nur dann, wenn Rücksicht genommen wird. Wenn man hinschaut. Wenn man im Zweifel die Angel einholt und den Platz verlässt.

Dieser Einsatz steht stellvertretend für viele ähnliche Fälle. Für Leid, das vermeidbar wäre. Für Tiere, die keine Stimme haben und darauf angewiesen sind, dass Menschen Verantwortung übernehmen.

Gerade an Tagen wie Weihnachten wird einem schmerzlich bewusst, wie nah Mitgefühl und Gleichgültigkeit beieinander liegen.